Euphorie vs Realität Teil 1 – Blog

DSINA Grüßt euch,

DTB mit starker Olympiaquali-Bilanz

27.03.2024

Präsident Hölzl: „Beleg guter Arbeit in Stützpunkten


Als am Sonntagnachmittag (24.03.24) das Moderations-Duo beim Trampolin-Weltcup in der Lausitz Arena die frohe Botschaft über den erreichten Quotenplatz für Deutschland für die Olympischen Spiele verkünden konnte, war zugleich klar, dass damit das Olympiateam des Deutschen Turner-Bundes komplett ist.

Der Bad Kreuznacher Sportsoldat Fabian Vogel sorgte mit seinen erzielten Punkten im Olympia-Ranking nach dem fünften und letzten Qualifikationsturnier in Cottbus dafür, dass auch die dritte olympische Sportart des DTB im Sommer in Paris vertreten ist. Zuvor hatten bereits die deutschen Gerätturnerinnen und Gerätturner und die Rhythmischen Sportgymnastinnen den Sprung zu den Spielen gemeistert. „Ich denke unsere Bilanz der olympischen Quotenplätze kann sich mehr als sehen lassen. Ich gratuliere den Athletinnen und Athleten zu den gezeigten Leistungen und freue mich sehr, dass wir bei diesem wichtigsten Sportevent der Welt so breit wie möglich vertreten sind und mit einem leistungsmäßig starken Team nach Paris fahren werden. Die Bilanz der erfolgreichen Olympia-Qualifikation ist auch ein Beleg für die gute Arbeit, die in den Stützpunkten von unseren Trainerinnen und Trainern geleistet wird“, erklärte DTB-Präsident Dr. Alfons Hölzl.


In der Summe werden sich somit 16 Athlet*innen des DTB den Traum der Teilnahme an den Olympischen Spielen 2024 in Paris erfüllen.


DSINA stimmt der Einschätzung des DTB-Präsidenten Hölzl zu, der behauptet: ‚Ich denke, unsere Bilanz der olympischen Quotenplätze kann sich mehr als sehen lassen.‘“


Was DSINA auf keinen Fall zustimmen kann, ist die Behauptung, dass dies ein ‚Beleg für die gute Arbeit in den Stützpunkten von unseren Trainerinnen und Trainern‘ im Fachgebiet Trampolinturnen sei.

Im Gegenteil:

Die Praxis in den Bundesleistungszentren entspricht keinesfalls dem Standard ‚guter Arbeit‘. Sie ist unzureichend und darauf ausgerichtet, ein auf den Status quo fixiertes System zu konservieren. DSINA hat in zahlreichen Podcasts und Blogs durch Analysen der internen Qualifikationswettkampfergebnisse aufgezeigt, dass die Nominierungen deutscher Athleten für deren Teilnahmen an internationalen Wettkämpfen oft weniger auf tatsächliche Leistungen als auf manipulative Einflüsse zurückzuführen sind. Die enttäuschenden Ergebnisse bei internationalen Turnieren verstärken die Annahme, dass die Leistungen an den Stützpunkten keineswegs als ‚gute Arbeit‘ betrachtet werden können.

Zur Klarstellung sei gesagt, dass dies keine Kritik vonseiten DSINA’s am DTB-Präsidenten Dr. Alfons Hölzl darstellt. Aus seiner Perspektive sind seine Äußerungen verständlich und vollkommen legitim. Es ist offenkundig, dass er sich nach Kräften bemüht, den Turnsport in Deutschland voranzutreiben. Angesichts der Vielzahl von Interessenkonflikten ist es kaum möglich, einen besseren Kapitän am Ruder Deutschlands zu finden als ihn, der den Deutschen Turner-Bund durch diese komplexen Herausforderungen navigieren könnte.

Bevor DSINA weitere Argumente zur Untermauerung seiner Position präsentiert, wirft DSINA einen Blick zurück auf den fünften und letzten Olympiaqualifikationswettkampf in Cottbus.

Aus deutscher Perspektive zeigte dieser Weltcup und Olympiaqualifikationswettkampf die beste Gesamtleistung der deutschen Nationalmannschaft seit über einem Jahrzehnt. Erstmals gelang es allen Athleten, ihre Übungen vollständig zu absolvieren – ein bisher unerreichtes Ereignis. Matthias Schuldt stach als bester deutscher Turner hervor, indem er mit 58,38 Punkten ins Halbfinale einzog und dort den zehnten Platz erreichte, wodurch er 21 Punkte für die olympische Qualifikation sammelte.

Es folgten Caio auf dem 32., Matthias Pfleiderer auf dem 33. und Fabian auf dem 34. Platz. Trotz dieses historisch besten Auftritts als Team sind die Platzierungen 32 bis 34 international betrachtet wenig ehrenhaft. Ein klarer Beleg dafür findet sich in den Haltungswerten: Kein deutscher Turner konnte eine Übung präsentieren, die eine Haltungsnote von 16,00 verdient hätte.

KategorieNamePlatzierungHaltungsnote 1Haltungsnote 2Trainingszentrum
MännerM. Schuldt19. Platz14,7014,10BLZ Frankfurt
MännerCaio32. Platz14,7015,30Cottbus
MännerM. Pfleiderer33. Platz14,5014,60BLZ Stuttgart
MännerFabian34. Platz14,6014,30BLZ Bad Kreuznach
FrauenAileen27. Platz14,9015,10BLZ Bad Kreuznach
FrauenLeonie35. Platz15,0015,00BLZ Stuttgart

Folgendes beachten, dass Haltungsnote 1 und Haltungsnote 2 für jede Übung einzeln aufgeführt sind.

Bei der Betrachtung der Haltungsnote und der Trainingsorte der Sportler im deutschen Trampolinturnen wird deutlich: Trotz Training in verschiedenen Leistungszentren sind die Haltungsnote durchweg ähnlich.

Dies spiegelt das enttäuschende Niveau im deutschen Trampolinturnen wider. Es sollte nicht vergessen werden, dass eine Haltungsnote verdoppelt wird. Da Trampolinturnen von Natur aus eine ästhetisch geprägte Sportart ist, sollte eine Haltungsnote von mindestens 8,0 das Ziel sein. Dies wurde über Jahrzehnte von den etablierten Trainern in den Leistungszentren aus Bequemlichkeit vernachlässigt. Qualität in der Ausführung erfordert Disziplin und Beständigkeit in der Arbeit. Hinzu kommt, dass im Trampolinturnen oftmals Gleichgültigkeit herrscht, ob Turnierleistungen vollständig gezeigt werden oder welche Haltungswerte erreicht werden; Teilnahme an Wettbewerben scheint unabhängig von Qualifikationsergebnissen garantiert. Protektionismus, eine Kultur der Selbstzufriedenheit und des Festhaltens am Status quo sind im Trampolinturnen weit verbreitet.

„Stopp. Das Argument hält nicht stand. Immerhin verzeichnet das Fachgebiet Erfolge wie Weltmeistertitel im Synchronturnen und kann auf Teilnahmen an den Olympischen Spielen verweisen.“


DSINA kommentiert:

Natürlich ist der Titel eines Weltmeisters attraktiv und die Teilnahme an den Olympischen Spielen generiert positive Schlagzeilen. Eine Olympiateilnahme allein gilt jedoch nicht als unumstößlicher Beweis für eine leistungsfähige und effiziente Struktur innerhalb einer Sportdisziplin. Oft wird nicht hinterfragt, wie diese Erfolge zustande kommen. Auf diese Weise kann eine Sportart im Energiesparmodus verharren, den Status quo beibehalten und trotzdem die vollumfänglichen Vorteile eines staatlich geförderten Sports genießen.


Hier ein Ausschnitt aus dem Podcast und Blog mit dem Titel

DTBS FACHGEBIET TRAMPOLINTURNEN: ZWISCHEN OLYMPIA-TRÄUMEN UND HARTEN REALITÄTEN TEIL 2 – 2023 – BLOG

Zweiter DTB-Bericht über den dritten Weltcup in Varna, Bulgarien.

https://www.dtb.de/trampolinturnen/new

Mit Bronze beim letzten World Cup des Jahres sichern sich Fabian Vogel und Caio Lauxtermann den Sieg im Gesamtweltcup.


Gold im Gesamt World Cup

In der Endabrechnung aller World Cups in 2023 konnten sich Fabian und Caio den Gesamtsieg holen. Nach Platz fünf in Palm Beach / Florida, der Silber-Medaille in Coimbra / Portugal und der Silber-Medaille in Baku / Aserbaidschan reichte die Bronze-Medaille in Varna für den Sieg in der World Cup Serie 2023.


DSINA

Bezüglich der Überschriften „Sieger der World Cup Serie“, „Gold im Gesamt World Cup“ & „Sieg im Gesamtweltcup“ im Kontext des Synchronwettbewerbs beim Weltcup ist einiges zu relativieren. Erstens: Im Hinblick auf Deutschlands Teilnahme an den Olympischen Spielen 2024 ist das Synchronturnen irrelevant. Die dominierende Nation im Trampolinturnen 2023 ist China. Interessanterweise nimmt China nicht einmal am Synchronwettbewerb teil, da dieser weder für die Olympiaqualifikation notwendig noch zielführend ist.

Der Synchronwettbewerb ist besonders interessant für Nationen, die im Einzelwettbewerb eher geringe Chancen auf vordere Plätze haben. Beim Synchronturnen ist alles möglich, weshalb es eine attraktive Option darstellt, in der Qualifikationsrunde eines Wettkampfs sowohl das Halbfinale als auch das Finale zu erreichen. Dies kann für bestimmte Nationen, in diesem Fall Deutschland, für positiven Schlagzeilen sorgen.

Wenn wir den DTB und sein Fachgebiet Trampolinturnen betrachten, insbesondere die Bundestrainerin Katarina Prokesova, war sie überglücklich über den 3. Platz im Synchronturnen, da sie eine positive Nachricht verkünden konnte. „Sieg im Gesamtweltcup“ war auch die herausstechende Botschaft in der Berichterstattung über den dritten Weltcup in Varna.

Wer hinter diesen Schlagzeilen schaut, wird mit einem ganz anderen Bild konfrontiert. Die beiden Athleten, Fabian und Caio, konnten mit ihren jeweiligen 31. und 33. Platzierungen im Einzelwettbewerb keine Olympischen Qualifikationspunkte erzielen – Punkte, die sie dringend für Deutschlands Teilnahme an den Spielen in Paris gebraucht hätten.

Ein weiteres Beispiel für die These, dass „Der Synchronwettbewerb insbesondere für Nationen interessant ist, die im Einzelwettbewerb wenig Chancen auf vordere Plätze haben“, ist Matthias Pfleiderer. Der langjährige Bundeswehrsoldat und Perspektivkader-Athlet, der zudem Europa- und Weltmeister im Synchronturnen ist, hat 2023 seine Ambitionen im Synchronturnen zurückgestellt, um sich gemeinsam mit seinem Trainer und dem langjährigen ehemaligen Cheftrainer des DTB, Michael Kuhn, auf den Einzelwettbewerb und die olympischen Qualifikationswettkämpfe zu konzentrieren. Trotz seines Titels als Europa- und Weltmeister im Synchronturnen hat Matthias in drei Weltcups lediglich 1 von 180 möglichen Olympischen Qualifikationspunkten erreicht. Damit ist er bereits vorzeitig aus dem Rennen für eine Teilnahme an den Olympischen Spielen ausgeschieden.

Obwohl Caio als „Sieger der World Cup Serie“ im Synchronturnen gefeiert wird, hat er in drei Weltcups keinen der 180 möglichen Olympischen Qualifikationspunkte erzielt. Daher ist auch er, trotz seines Titels, bereits vorzeitig aus dem Rennen für eine Teilnahme an den Olympischen Spielen ausgeschieden.

Natürlich freut sich der DTB über alle positiven Meldungen, und die Erfolge im Synchronturnen sind für alle Beteiligten durchaus erfreulich. Aber so erfreulich diese Erfolge auch sind, sollte man nicht vergessen, dass die Disziplin Synchronturnen im Vergleich zum Einzelwettbewerb eine Randerscheinung darstellt. Nicht ohne Grund hat der langjährige Sportdirektor Wolfgang Willam vor einigen Jahren die Disziplin Synchronturnen in Deutschland abgeschafft, um sich auf bessere Ergebnisse im Einzelwettbewerb zu konzentrieren.

Ein Blick auf die Ergebnisse der Nationalmannschaft bei den maßgeblichen fünf Weltcup-Wettkämpfen lohnt sich.

AthletWC CombraWC Palm BeachWC VarnaWC BakuWC CottbusVon 300 OS Quali Punkten
Leonie00150015
Aileen04031418
Caio000000
Matthias P100001
Matthias S80902130
Fabian151604031

Diese Tabelle zeigt die Punkte, die jedes Mitglied der deutschen Nationalmannschaft bei den verschiedenen Weltcups erzielt hat, sowie ihre Gesamtpunktzahl in Bezug auf die 300 möglichen Punkte, die für die olympische Qualifikation zur Verfügung stehen.


Was bedeutet diese Tabelle im Klartext?

Es bedeutet folgendes:

Ein Drittel der deutschen Nationalmannschaft, bemerkenswerterweise beides Sportsoldaten, konnte bei fünf Weltcups, mit insgesamt 600 verfügbaren Qualifikationspunkten, lediglich einen einzigen Punkt für die Olympischen Spiele erzielen.

Das zweite Drittel, bestehend aus einer von der Sporthilfe geförderten Turnerin und einer Sportsoldatin, erreichte zusammen 33 Qualifikationspunkte aus den gleichen 600 möglichen Punkten.

Das letzte Drittel, die Spitzenreiter Deutschlands, ebenfalls bestehend aus einem von der Sporthilfe unterstützten Turner und einem Sportsoldaten, erzielte insgesamt 61 Punkte bei diesen Weltcups.


Weltcups 2023/24

In Cumbra erreichten 50 % der deutschen Nationalmannschaft, sowohl Männer als auch Frauen, nicht die Top 30 des Teilnehmerfeldes.

In Palm Beach schafften es 66 % der Athletinnen und Athleten der Nationalmannschaft nicht unter die besten 30.

Ähnlich war es in Varna, wo ebenfalls 66 % der Nationalmannschaft keine Platzierung unter den ersten 30 erreichen konnten.

In Baku gelang dies wiederum 66 % der deutschen Nationalmannschaft nicht, sie verfehlten die Top 30 des Teilnehmerfeldes.


DSINA

Weltcup Cottbus:

Nochmal, aus deutscher Perspektive bot der Weltcup und Olympiaqualifikationswettkampf in Cottbus die stärkste Gesamtleistung der deutschen Nationalmannschaft seit mehr als einem Jahrzehnt. Erstmals gelang es allen Athleten, ihre Übungen vollständig zu absolvieren – ein bisher unerreichtes Ereignis. Matthias Schuldt stach als bester deutscher Turner hervor, indem er mit 58,38 Punkten ins Halbfinale einzog und dort den zehnten Platz erreichte, wodurch er 21 Punkte für die olympische Qualifikation sammelte.

Trotz dieser Erfolge gelang es vor dem heimischen Publikum in Cottbus 66 % der Nationalmannschaft, sowohl Männern als auch Frauen, nicht, sich unter den besten 30 des Teilnehmerfeldes zu platzieren.

Ein fabelhaftes Ergebnis, findet ihr nicht?


DSINA Zitiert:

Turn-Team Deutschland

Trampolin Olympiaticket gesichert
24.03.2024

Vogel holt für DTB-Auswahl einen Quotenplatz

https://www.dtb.de/news/artikel-1?tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Bnews%5D=12774&cHash=395aa1c88181768965e3b4c53f3f9ff4

„Durch seine guten Ergebnisse in der Weltcup-Serie konnte Trampolinturner Fabian Vogel ein Ticket für das Turn-Team Deutschland für die Olympischen Spiele in Paris ergattern.

Der Quotenplatz war hinten heraus eine enge Kiste mit viel Rechnerei. Wir wussten, dass das schwierig wird und haben unseren Fokus vor allem auf die ersten drei Weltcups gelegt. Diese Strategie ist aufgegangen. Es ist das Ergebnis harter Arbeit und ein wenig Glück, da wir es zum Schluss nicht mehr in der eigenen Hand hatten“, erklärte Chef-Bundestrainerin Katarina Prokesova.“

Welche Strategie verfolgt die Bundestrainerin? DSINA kann gar keine Strategie erkennen. Punkt.

Im Mai soll der Bericht in einem zweiten Teil fortgeführt werden, der sich mit der Behauptung über der Qualität der Arbeit in den Leistungszentren auseinandersetzt.“


Wie immer, in diesen schwierigen Zeiten, passt auf euch auf. Bleibt gesund und munter, euer Podcaster und Blogger.
David Pittaway

Als Sportbegeisteter, Trampolin Enthusiast und immer für unsere Sportart mit dem Herzen dabei hat Dave sehr viel in der Vergangenheit erreicht.
Jetzt ist es Zeit einiges an Wissen an die nächsten Generationen weiterzugeben.

Weitere Einträge lesen...