Kein Ausrutscher, sondern ein Muster – Teil 1


Was die Übungsabbrüche über das deutsche Trampolinsystem sagen


DSINA grüßt euch,
die zahlreichen Übungsabbrüche bei den Deutschen Meisterschaften im Trampolinturnen in Hannover waren kein plötzliches und unerklärliches Ereignis. Sie waren auch nicht lediglich das Ergebnis eines ungewöhnlich schlechten Wettkampftages.

Sie waren Teil einer Entwicklung, die DSINA seit Jahren beschreibt.

Der Deutsche Turner-Bund berichtete selbst von einem turbulenten Vorkampf, der bei Männern und Frauen von Übungsabbrüchen geprägt gewesen sei. Im Frauenfinale wurde anschließend bereits positiv hervorgehoben, dass nahezu alle Athletinnen ihre Übungen vollständig auf das Tuch gebracht hätten.

Doch genau an diesem Punkt beginnt das eigentliche Problem.

Auf dem Niveau einer Deutschen Meisterschaft darf die vollständige Absolvierung der zehn Übungsteile nicht bereits als besondere sportliche Leistung gelten. Sie ist die Grundvoraussetzung dafür, dass Schwierigkeit, Haltung, Flugzeit, horizontale Abweichung, Rhythmus, Kontrolle und die gestalterische Geschlossenheit einer Übung überhaupt sinnvoll bewertet werden können.

Erst wenn ein Athlet eine vollständige Übung kontrolliert absolviert, beginnt die eigentliche sportliche Qualitätsbewertung.

Wer zehn Übungsteile nicht bewältigt, hat selbstverständlich nicht automatisch schlecht trainiert. Ein Abbruch kann jedem Athleten passieren. Selbst Welt- und Olympiasieger brechen Übungen ab. Trampolinturnen bleibt eine hochkomplexe und fehleranfällige Sportart.

Wenn Übungsabbrüche jedoch wiederholt auftreten, zahlreiche Athleten betreffen und sich über nationale und internationale Wettkämpfe hinweg fortsetzen, darf nicht länger ausschließlich von Pech, Nervosität oder Tagesform gesprochen werden.

  • Dann muss das System hinterfragt werden.
  • Waren die gewählten Übungen tatsächlich wettkampfreif?
  • Wurde die Schwierigkeit dem technischen Leistungsvermögen angepasst?
  • Wurden genügend vollständige Übungen unter wettkampfähnlichen Bedingungen trainiert?
  • Waren die Athleten körperlich und psychologisch auf die Belastung vorbereitet?
  • Wurde die Wettkampfstrategie fachlich richtig gewählt?
  • Und wer übernimmt Verantwortung, wenn sich dieselben Probleme immer wieder zeigen?


Das sind keine persönlichen Angriffe auf Athleten oder Trainer. Es sind elementare Fragen professioneller Trainings- und Leistungssteuerung.

DSINA stellt diese Fragen nicht erst seit Hannover.


Hannover war kein Einzelfall

Die Deutschen Meisterschaften können nur dann angemessen bewertet werden, wenn sie in die Entwicklung der vorangegangenen Wettkämpfe eingeordnet werden.

Bereits beim Weltcup in Alkmaar im März 2026 berichtete die sportliche Leitung, dass die deutschen Frauen im Einzelwettbewerb insgesamt nur eine vollständig absolvierte Übung zustande gebracht hätten.

Bei den Europameisterschaften im April setzte sich die Instabilität fort. Im Mannschaftsfinale der Frauen wurde erneut nur eine deutsche Übung vollständig beendet. Die deutschen Mannschaften blieben bei Männern und Frauen deutlich außerhalb der Medaillenränge.

Auch beim Weltcup in Arosa Ende Juni erreichte kein deutscher Senior im Einzel ein Halbfinale oder Finale. Erneut wurde öffentlich auf fehlende Stabilität und die Notwendigkeit verwiesen, zwei saubere Übungen zu absolvieren.

Danach folgte Hannover.

Die Deutschen Meisterschaften standen also nicht am Beginn einer problematischen Entwicklung. Sie waren ein weiterer sichtbarer Punkt in einer Reihe von Wettkämpfen, in denen die vollständige und kontrollierte Absolvierung der Übungen nicht zuverlässig gewährleistet war.

Gerade deshalb ist es sportfachlich nicht überzeugend, Hannover als bloß turbulenten Wettkampftag abzutun.
Ein einzelner Wettkampf kann ein Ausrutscher sein.

Mehrere Wettkämpfe bilden ein Muster.


Schwierigkeit ist nicht gleich Leistung

DSINA hat seit Jahren darauf hingewiesen, dass die internationale Leistungsfähigkeit nicht allein über den Schwierigkeitsgrad einer Übung definiert werden kann.
Trampolinturnen besteht aus mehreren miteinander verbundenen Leistungsfaktoren:

  • Schwierigkeit,
  • technische Ausführung,
  • Körperhaltung,
  • Flugzeit,
  • horizontale Kontrolle,
  • Rhythmus,
  • Wettkampfstabilität.

Ein hoher Schwierigkeitswert ist sportlich nur dann wertvoll, wenn die Übung technisch beherrscht wird.
Eine schwierigere Übung, die mit deutlichen Haltungsverlusten, niedrigerer Flugzeit, großer horizontaler Abweichung oder einem Abbruch verbunden ist, kann im Endergebnis schwächer sein als eine etwas weniger schwierige, aber kontrolliert und sauber absolvierte Übung.

Trotzdem entsteht im deutschen Trampolinturnen wiederholt der Eindruck, dass Schwierigkeit und rechnerische Zielpunktzahlen stärker gewichtet werden als technische Beherrschung und Stabilität.

Das Ergebnis ist eine riskante Entwicklungslogik:
Der Athlet soll schwieriger turnen, obwohl die Grundlage noch nicht ausreichend gefestigt ist.

Das mag in Trainingsphasen sinnvoll sein. Im Wettkampf ist jedoch nicht entscheidend, welche Elemente ein Athlet theoretisch beherrscht oder im Training gelegentlich zeigen kann.

Entscheidend ist, welche Übung er unter Druck vollständig und kontrolliert absolvieren kann.

Eine Übung ist erst dann wettkampfreif, wenn sie nicht nur möglich, sondern wiederholbar ist.


Die Fragen wurden bereits Jahre zuvor gestellt

DSINA fragte schon 2017:

  • Warum ist die internationale Leistungsentwicklung ins Stocken geraten?
  • Warum wurde der Anschluss an die Weltspitze verloren?
  • Welche technischen Grundlagen fehlen?
  • Welche Prioritäten müssen gesetzt werden?
  • Wird im Training tatsächlich langfristig und strategisch gearbeitet?

Diese Fragen waren nicht gegen einzelne Athleten gerichtet.
Sie bezogen sich auf das Verhältnis zwischen:

  • Trainerarbeit,
  • Kaderkriterien,
  • Bundesstützpunkten,
  • Wettkampfplanung,
  • internationaler Entwicklung,
  • sportlicher Führung.

Spätere DSINA-Analysen zeigten anhand konkreter Wertungen, dass die Probleme nicht allein in der Schwierigkeit lagen.

Teilweise waren Haltung und Flugzeit Jahre zuvor besser als während späterer Olympiaqualifikationen. Athleten waren länger im System, ohne dass sich daraus automatisch eine erkennbare technische Weiterentwicklung ableiten ließ.

Das wirft eine grundlegende Frage auf:
Wozu dient ein langfristiges Spitzensportsystem, wenn jahrelange Zugehörigkeit nicht zuverlässig zu besserer technischer Qualität, höherer Stabilität und größerer internationaler Konkurrenzfähigkeit führt?

Wenn Entwicklung ausbleibt, kann die Verantwortung nicht ausschließlich beim Athleten gesucht werden.
Auch das System muss sich erklären.


Was nicht passt, wird passend gemacht

Einer der ältesten DSINA-Kritikpunkte betrifft die Veränderung von Kader- und Qualifikationskriterien.

Kriterien sind im Leistungssport notwendig. Sie sollen definieren, welche Leistung für eine bestimmte Entwicklungsstufe erforderlich ist.

Ein gutes Kriteriensystem beantwortet:

  • Welche technische Qualität wird international verlangt?
  • Welche Flugzeit ist notwendig?
  • Welche Haltungswerte müssen erreicht werden?
  • Welche Schwierigkeit ist sinnvoll und kontrollierbar?
  • Welche Entwicklung wird innerhalb eines festgelegten Zeitraums erwartet?
  • Welche Konsequenzen folgen, wenn diese Entwicklung ausbleibt?

Kriterien dürfen selbstverständlich angepasst werden. Das internationale Reglement verändert sich. Neue Bewertungssysteme entstehen. Altersgruppen und Kaderbereiche benötigen unterschiedliche Anforderungen.

Problematisch wird es jedoch, wenn Kriterien abgesenkt oder verändert werden, weil die vorhandenen Athleten die bisherigen Anforderungen nicht erreichen.

Dann wird nicht mehr die Leistung an das internationale Ziel herangeführt.

Dann wird das Ziel an die vorhandene Leistung angepasst.

DSINA bezeichnete diese Logik bereits vor Jahren mit dem Satz:
Was nicht passt, wird passend gemacht.
Der kurzfristige Nutzen liegt auf der Hand.

Kader können besetzt werden.

Trainingsstandorte können Athletenzahlen vorweisen.

Trainer können auf nominelle Zielerfüllung verweisen.

Internationale Nominierungen bleiben möglich.

Langfristig wird damit jedoch das wichtigste Korrektiv eines Leistungssystems geschwächt.

Wenn Kriterien nicht mehr anzeigen, was international erforderlich ist, sondern nur noch bestätigen, was national vorhanden ist, entsteht eine Illusion von Entwicklung.

Das System erfüllt seine eigenen Anforderungen und verliert gleichzeitig weiter den Anschluss an die Weltspitze.


Internationale Teilnahme ist noch keine internationale Konkurrenzfähigkeit

Ein wiederkehrendes Problem besteht in der Vermischung unterschiedlicher Erfolgskategorien.

Eine internationale Teilnahme ist ein Erfolg für den betreffenden Athleten.

Eine Halbfinalteilnahme kann ein wichtiger Entwicklungsschritt sein.

Eine Synchronmedaille ist sportlich wertvoll.

Eine Kaderberufung bestätigt, dass ein Athlet innerhalb des nationalen Systems wahrgenommen wird.

Aber diese Ergebnisse sind nicht identisch mit internationaler Konkurrenzfähigkeit in der olympischen Einzeldisziplin.

Es muss unterschieden werden zwischen:

  1. internationaler Teilnahme,
  2. Halbfinalqualifikation,
  3. Finalteilnahme,
  4. internationaler Medaillenfähigkeit,
  5. Erfolg in einer nichtolympischen Disziplin,
  6. nachhaltiger Leistung in der olympischen Einzeldisziplin,
  7. langfristiger Entwicklung über mehrere Wettkampfjahre.

Wer diese Kategorien zusammenfasst, kann nahezu jede internationale Aktivität als Erfolg darstellen.

Doch ein Bundesstützpunkt und ein nationaler Spitzenverband müssen sich an höheren Maßstäben orientieren als an bloßer Teilnahme.

Die entscheidende Frage lautet:

Werden Athleten so entwickelt, dass sie international regelmäßig vollständige, technisch hochwertige Übungen zeigen und Finals erreichen können?

Wenn diese Entwicklung ausbleibt, genügt es nicht, auf Kaderzugehörigkeit, einzelne Synchronresultate oder frühere Erfolge zu verweisen.


Bundesstützpunkte müssen an ihrem Output gemessen werden

Bundesstützpunkte verfügen über Bedingungen, von denen viele Vereine nur träumen können:

  • hauptamtliche Trainer,
  • professionelle Sportstätten,
  • wissenschaftliche Unterstützung,
  • medizinische Betreuung,
  • Bundeskaderathleten,
  • öffentliche Finanzierung,
  • institutionelle Anerkennung.

Diese Voraussetzungen sind wichtig.
Aber sie sind zunächst nur Inputs.
Der eigentliche Maßstab ist der Output:

  • technische Entwicklung,
  • Übungsstabilität,
  • internationale Platzierungen,
  • Finalteilnahmen,
  • Medaillenfähigkeit,
  • Übergang vom Nachwuchs in die Seniorenklasse.

Ein Bundesstützpunkt darf nicht allein deshalb als erfolgreich gelten, weil er existiert, gut ausgestattet ist oder viele Kaderathleten betreut.

Auch historische Erfolge reichen nicht aus, um die aktuelle Leistung dauerhaft zu legitimieren.

Ein Standort kann auf bedeutende Athleten und frühere Medaillen verweisen. Das verdient Anerkennung.

Aber vergangene Verdienste sind kein Freibrief für die Gegenwart.

Ein Bundesstützpunkt muss regelmäßig beantworten können:

  • Wie viele Athleten werden dort trainiert?
  • Wie viele hauptamtliche Trainer stehen zur Verfügung?
  • Welche konkreten internationalen Ziele wurden vereinbart?
  • Welche Athleten erreichten internationale Halbfinals und Finals?
  • Wie viele Nachwuchsathleten gelangten erfolgreich in die Seniorenklasse?
  • Wie entwickelten sich Haltung, Flugzeit und Schwierigkeit?
  • Wie hoch ist die Quote vollständig absolvierter Übungen?
  • Welche Konsequenzen folgen bei wiederholter Zielverfehlung?

Der Bundesstützpunktstatus ist kein Ehrentitel.

Er ist ein überprüfbarer Leistungsauftrag.


Stuttgart als Beispiel

Der Bundesstützpunkt Stuttgart kann auf eine bedeutende Geschichte verweisen.

Unter Michael Kuhn wurden international erfolgreiche Athleten entwickelt. Leonie Adam nahm an Olympischen Spielen teil. Matthias Pfleiderer wurde 2022 gemeinsam mit Fabian Vogel Synchronweltmeister. Stuttgarter Athleten leisteten wichtige Beiträge zu deutschen Mannschaftserfolgen.

Diese Leistungen sind real.

Doch die aktuelle Leistungsfähigkeit eines Standortes kann nicht ausschließlich aus den Erfolgen früherer Generationen abgeleitet werden.

Nach dem Karriereende wichtiger Leistungsträger befindet sich Stuttgart in einer Übergangsphase. Es gibt talentierte Nachwuchs- und junge Seniorenathleten. Es gibt eine neue und sehr gut ausgestattete Trainingshalle.

Damit steigen aber auch die Erwartungen.

Je besser die Bedingungen, desto weniger überzeugend wird langfristig die Erklärung, dass mangelnde Stabilität auf unzureichende Trainingsmöglichkeiten zurückzuführen sei.

Die neue Halle ist eine Chance.

Sie ist gleichzeitig ein neuer Ausgangspunkt für überprüfbare Verantwortung.

In den kommenden Jahren muss sich zeigen:

  • Werden mehr vollständige Übungen geturnt?
  • Verbessert sich die technische Qualität?
  • Werden Athleten sinnvoll und nicht vorschnell in der Schwierigkeit entwickelt?
  • Entstehen internationale Einzelresultate?
  • Gelingt der Übergang vom Nachwuchs in die Seniorenklasse?
  • Werden aus Potenzialen tatsächliche Leistungen?

Erfolg wird kollektiv beansprucht, Misserfolg individualisiert

In erfolgreichen Momenten wird institutionell argumentiert
Dann ist der Erfolg das Ergebnis:

  • guter Trainerarbeit,
  • funktionierender Bundesstützpunkte,
  • erfolgreicher Verbandsstrukturen,
  • richtiger Förderung,
  • professioneller sportlicher Leitung.

Bei Misserfolg wird dagegen häufig individualisiert.
Dann ist die Rede von:

  • Nervosität,
  • Tagesform,
  • einem kleinen Fehler,
  • Verletzungen,
  • Wettkampfdruck,
  • fehlendem Glück,
  • einer Übergangsgeneration.

Alle diese Faktoren können eine Rolle spielen.

Doch ein System kann nicht Erfolge kollektiv beanspruchen und Misserfolge ausschließlich Athleten und Umständen zurechnen.

Wenn Trainer und Stützpunkte bei Erfolgen als Ursache genannt werden, müssen sie bei wiederholten Fehlentwicklungen Teil der Analyse sein.

Das bedeutet nicht, dass nach jedem schlechten Wettkampf jemand entlassen werden muss.

Es bedeutet, dass eine nachvollziehbare Leistungsauswertung stattfinden muss:

  1. Was war das Ziel?
  2. Was wurde erreicht?
  3. Was wurde nicht erreicht?
  4. Warum wurde es nicht erreicht?
  5. Welche Verantwortung liegt beim Athleten?
  6. Welche Verantwortung liegt beim Trainer?
  7. Welche Verantwortung liegt beim Bundesstützpunkt?
  8. Welche Verantwortung liegt bei der sportlichen Leitung?
  9. Welche Maßnahmen werden ergriffen?
  10. Wann wird überprüft, ob diese Maßnahmen wirken?

Solange diese Kette nicht erkennbar ist, bleibt Verantwortung ein Wort ohne praktische Bedeutung.


Die Fragen an die DTB-Sportdirektion

Nach den Deutschen Meisterschaften wurden der zuständigen Sportdirektion konkrete Fragen gestellt:

  • Wie bewertet sie die zahlreichen Übungsabbrüche?
  • Welche Ursachen sieht sie?
  • Welche Konsequenzen folgen für Trainer, Bundesstützpunkte und sportliche Leitung?

Diese Fragen verlangen nicht, dass der DTB die Bewertung von DSINA übernimmt.

Der Verband kann widersprechen.

Er kann erklären, dass Hannover anders einzuordnen sei.

Er kann andere Daten und Entwicklungsindikatoren vorlegen.

Er kann begründen, weshalb die aktuellen Ergebnisse Teil einer langfristig positiven Entwicklung seien.
Aber er sollte antworten können.

Eine Sportdirektion muss wissen, nach welchen Maßstäben sie Leistung beurteilt.

Wenn sie diese Maßstäbe nicht transparent machen kann oder will, entsteht der Eindruck, dass Erfolge und Misserfolge unterschiedlich ausgelegt werden.

Eine ausbleibende Antwort beweist nicht, dass intern keine Analyse stattfindet.

Aber dauerhaftes Schweigen wird governance-relevant, wenn präzise sportfachliche Fragen zu öffentlich sichtbaren Problemen unbeantwortet bleiben.

Die entscheidende Frage lautet nicht:
Warum antwortet der DTB David Pittaway nicht?

Die entscheidende Frage lautet:
Welche Rechenschaft schuldet eine öffentlich geförderte Sportorganisation, wenn ihre Ergebnisse Zweifel an der Wirksamkeit ihrer Strukturen aufwerfen?


Schlussfolgerung: Hannover war vorhersehbar

Die Probleme des deutschen Trampolinturnens sind nicht deshalb problematisch, weil Deutschland nicht jeden Wettbewerb gewinnt.

Misserfolge gehören zum Sport.

Andere Nationen arbeiten professionell, verfügen über starke Trainer, investieren erhebliche Mittel und entwickeln hervorragende Athleten.

Niemand kann Medaillen garantieren.

Was aber erwartet werden darf, ist eine erkennbare sportliche Entwicklung.
Erwartet werden darf:

  • technische Qualität,
  • wettkampffähige Übungsauswahl,
  • nachvollziehbare Kriterien,
  • transparente Leistungsziele,
  • eine ehrliche Bewertung von Ergebnissen,
  • Verantwortung auf allen Ebenen.

DSINA hat über Jahre davor gewarnt, dass technische Grundlagen, Haltungsqualität, Flugzeit und Stabilität nicht ausreichend entwickelt wurden.

Es wurde davor gewarnt, dass Kriterien an vorhandene Leistungen angepasst werden könnten.

Es wurde davor gewarnt, dass Kaderzahlen, internationale Teilnahmen und einzelne Erfolge den tatsächlichen Abstand zur Weltspitze verdecken.

Es wurde davor gewarnt, dass Bundesstützpunkte zu selten anhand ihres aktuellen Outputs bewertet werden.

Hannover war deshalb kein überraschender Zusammenbruch.

Hannover war ein weiterer sichtbarer Ausdruck einer bekannten Entwicklung.

Doch die sportliche Analyse ist nur die erste Hälfte der Geschichte.

Denn selbst wenn die Probleme seit Jahren erkennbar waren, bleibt eine weitere Frage:
Warum haben Bundesstützpunkte, DTB, DOSB, PotAS und die bisherigen Reformen diese Entwicklung nicht wirksam korrigiert?

Dieser Frage widmet sich Teil 2:


Warum Reformen im deutschen Spitzensport so selten zu Konsequenzen führen

Mit sportlichen Grüßen
David Pittaway

Sportwissenschaftler

Ehemaliger Bundestrainer und Teamchef Trampolinturnen

Herausgeber von DSINA – Dabei Sein Ist Nicht Alles

Als Sportbegeisteter, Trampolin Enthusiast und immer für unsere Sportart mit dem Herzen dabei hat Dave sehr viel in der Vergangenheit erreicht.
Jetzt ist es Zeit einiges an Wissen an die nächsten Generationen weiterzugeben.

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