DTBs Fachgebiet Trampolinturnen: Zwischen Olympia-Träumen und harten Realitäten Teil 1 – 2019 – Blog

3. Weltcup Khabarovsk Russland

Auf der DTB Seite ist abgespeckt folgendes zu lesen

Trampoliner holen in Sibirien Punkte für Olympiaqualifikation

14.09.2019

Auch beim dritten World Cup im russischen Khabarovsk platzieren sich vier von sieben DTB-Vertretern in den Top 30.

Das beste Ergebnis turnte bei den Frauen Aileen Rösler ein, die nach ihrer langen Verletzungspause zum ersten Mal wieder auf internationalem Parkett dabei war.

Die 19-Jährige belegte dabei unter 49 Teilnehmerinnen den 29. Platz, direkt gefolgt von Silva Müller.

Bei den Männern erreichte Lars Fritzsche als bester Deutscher den 28. Rang, Fabian Vogel kam auf Platz 30 und der 19-Jährige Matthias Schuldt belegte den 34. Platz unter 69 Startern.

Ausgerechnet die beiden größten Hoffnungsträger im Hinblick auf die Olympischen Spiele 2020, Leonie Adam und Matthias Pfleiderer mussten ihre Küren frühzeitig abbrechen.

Derweil punkteten Vogel und Müller bereits zum dritten Mal für die Qualifikationsliste für Tokio.

Die vier besten von insgesamt sechs World Cup Ergebnissen fließen in das Ranking ein.

Einen ersten belastbaren Zwischenstand wird es demnach nach den Wettkämpfen Anfang Oktober im spanischen Valladolid geben, die die vierte Station auf dem Weg nach Japan darstellen.

„Wir müssen dort auf jeden Fall Gas geben“, erklärte Siegfried.

Der vollständige Bericht ist auf meinem Blog zu lesen.

Trampoliner holen in Sibirien Punkte für Olympiaqualifikation

Es stimmt, die Trampoliner holen Punkte für Olympiaqualifikation, aber welche? Schauen wir genauer hin.

Lars Fritzsche

Bei den Männern erreichte Lars Fritzsche als bester Deutscher mit 108,230 Punkten den 28. Rang und holte somit 3 Punkte von möglichen 60 Punkten.

Diese Leistung bringt nach drei Weltcups seine gesamten Olympiaqualifikationspunkte auf sage und schreibe 7 von möglichen 180 Punkten.

Matthias Pfleiderer

Bei den Männern erreichte Matthias Pfleiderer insgesamt mit 62.830 Punkten den 61. Rang und somit 0 Punkte von möglichen 60 Punkten.

Diese Leistung bringt nach drei Weltcups seine Olympiaqualifikationspunkte insgesamt auf 16 von möglichen 180 Punkten.

Matthias Schuldt

Matthias Schuldt erturnte mit 106,495 Punkten den 34. Rang und erzielte somit 0 Punkte von möglichen 60 Punkten.

Nach einem Weltcup hat er keine Olympiaqualifikationspunkte erturnt.

Hier ein Zitat vom Teammanager Patrick Siegfried:

Derweil punkteten Vogel und Müller bereits zum dritten Mal für die Qualifikationsliste für Tokio.“

Fabian Vogel

Er erreichte mit 107,650 Punkten den 30. Platz und erhielt damit 1 Punkt von möglichen 60.

Dieses Ergebnis bringt ihm nach drei Weltcups für seine gesamten Olympiaqualifikationspunkte 13 von möglichen 180 Punkten ein.

Interessant:

Die Finalteilnehmer haben alle außer dem Japaner Tetszya Sotomura, der seine Kürübung abgebrochen hat, bezogen auf die Haltung zwischen 17,10 und 18,20 geturnt.

Die deutschen Teilnehmer konnten das nicht bewältigen mit weit weniger Schwierigkeiten in der Kürübung.

Zuerst müssen wir in Deutschland die technische Finesse verfeinern, die Haltung mit 16,00 als Mindestanforderung anpeilen und die ToF auf die gewünschte Höhe bringen, sprich mindestens 17,00 für die Männer.

Dies war das angepeilte Ziel seit dem gewünschten Turnaround, der im Februar 2017 mit einer Marschroute in Form einer strategischen Vorgehensweise klar definiert und schriftlich festgelegt worden war.

Frauen

Derweil punkteten Vogel und Müller bereits zum dritten Mal für die Qualifikationsliste für Tokio.“

Silva Müller

Bei den Frauen erreichte Silva Müller mit 99,365 Punkten den 30. Rang und somit 1 Punkt von möglichen 60 Punkten.

Das bedeutet nach drei Weltcups insgesamt 10 von möglichen 180 Punkten für die Olympiaquali.

Aileen Rösler

Aileen erturnte mit 99,730 Punkten den 29. Platz und erhielt damit 2 Punkte von zu erreichenden 60 Punkten.

Das bringt ihr nach einem Weltcup insgesamt 2 von möglichen 60 Punkten für die Olympiaqualifikationspunkte.

Leonie Adam:

Leonie Adam bekam 53,445 Punkte und erzielte damit Platz 43. Bedeutet 0 Punkt von möglichen 60.

Nach drei Weltcups hat sie 13 von möglichen 180 Punktenfür die Olympia-qualifikationsliste gesammelt.

Die Nationalmannschaft, 3 Frauen und 3 Männer, haben die Möglichkeit jeweils 60 Punkte für die Olympia Qualifikation zu holen. Das sind für die 6 Aktiven insgesamt 360 Punkte.

Von den 360 zu vergebenen Punkten holte die gesamte Mannschaft sage und schreibe 7 Punkte.

Nochmal, 7 Punkte von 360 zu vergebenen Punkten. Alle anderen Kommentare sind überflüssig.

Nach 3 von 6 Weltcups, hier eine Halbzeitbilanz der deutschen Nationalmannschaft.


Baku PunkteMinsk PunkteKhabarovsk /RUS180 Punkten





Leonie Adam5 von 607 von 600 von 6012
Silva Müller8 von 601 von 601 von 6010
Aileen RöslerDNSDNS2 von 602
M. Pfleiderer3 von 6013 von 600 von 6016
Fabian Vogel8 von 604 von 601 von 6013
Kyrylo0 von 6011 von 60DNS11
Lars Fritzsche4 von 600 von 603 von 607
Matthias SchuldtDNSDNS0 von 600

Die Bilanz des o. g. Perspektivkaders, sprich der Stammmannschaft von Deutschlands besten Turnern und Turnerinnen haben von den zu vergebenden 1080 Punkten für die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2020 insgesamt 60 Punkte erturnen können.

Das ist die Bilanz der Deutschen Nationalmannschaft nach drei Weltcups, sprich nach 3 von 6 Weltcups, 60 von 1080 Punkten.

Von einem Perspektivkader im Sinne des DOSB & DTB kann keine Rede sein.

Leonie Adam und Aileen Rösler sind von den 6 Aktiven, diejenige, die weder beim Bund als Sportsoldatin ist noch bei der Polizei als Sportpolizistin gefördert wurde.

Alle anderen haben die höchste sportliche Förderung, die Deutschland zu bieten hat und das ist das Ergebnis der Perspektivkaderathleten auf dem Weg zu einer Olympia Qualifikation.

Trampoliner holen in Sibirien Punkte für Olympiaqualifikation“

Diese Überschrift ist ein Beleg dafür, mit wie wenig Sorgfalt die Verantwortlichen mit Tatsachen umgehen und mit wie wenig sie sich zufrieden geben.

Trampoliner holen in Sibirien Punkte für Olympiaqualifikation.

Diese Aussage erweckt den Eindruck, dass die deutsche Nationalmannschaft einen erfolgreichen Auftritt in Sibirien hatte und sich auf einem guten Weg zu einer Teilnahme an den Olympischen Spielen 2020 befindet.

Dies ist aber nicht der Fall! Wenn meine Kalkulationen sich als richtig erweisen, dann haben wir folgende Tatsachen:

Frauen

Die derzeit einzige deutsche Frau, die in der Lage ist, einen der begehrten Plätze (Top 16) für die Teilnahme an den Olympischen Spielen zu ergattern, ist Leonie Adam.

Im Moment liegt Leonie im Worldcup Ranking auf der 33. Position. Wenn wir die Ergebnisse bereinigen dann ist das wie folgt:

LeonieRang 33
bereinigtRang 23 mit 12 Punkten

Es liegen 7 weitere Sportlerinnen vor Leonie:

Um den begehrten Top 16. Platz ergattern zu können muss Leonie einen 9. Platz beim 4. Weltcup in Valladolid/Spanien erturnen und die o. g. platzierten Athletinnen dürften keine Punkte erzielen.

Da Leonies bisheriges bestes Ergebnis bei einem Weltcup der 24. Platz war, ist der 9. Platz eher unwahrscheinlich und das die o. g. 7 platzierten Aktiven gar keine Punkte erzielen, ist noch unwahrscheinlicher.

Was sie braucht ist eine Wiederholung der Leistung, die sie bei den Weltmeisterschaften 2018 im Halbfinale geturnt hat.

Männer

Der derzeit einzige deutsche Turner, der in der Lage ist, einen Platz (Top 16) zur Teilnahme an den Olympischen Spielen zu ergattern, ist Matthias Pfleiderer.

Im Moment ist er im Worldcup Ranking auf Position 28. Bereinigt dann wie folgt:

Matthias Rang 28

bereinigt Rang 21 mit 16 Punkten

Es liegen 6 weitere Athleten vor Matthias:

Um den begehrten 16. Platz zu erreichen muss Matthias mindestens den 19. Platz beim 4. Weltcup in Valladolid/Spanien erturnen und die o. g. platzierten Athleten dürften gar keine Punkte erzielen.

Da laut Teammanager Patrick Siegfried Matthias‘ bisheriges aller bestes Ergebnis, der 18. Platz bei einem Weltcups war, ist dies in Anbetracht seiner bisherigen Leistung in der Saison 2019 und der Stärke der Konkurrenz, eher unwahrscheinlich.

Dass die o. g. 6 platzierten Aktiven gar keine Punkte erzielen ist noch unwahrscheinlicher.

D.h., dass Matthias obwohl er das Können hätte, sich kaum aus eigener Kraft für die Olympiade 2020 qualifizieren kann.

Das scheint mit der momentanen Vorgehensweise der Verantwortlichen auch nicht machbar zu sein.

Schauen wir die Ergebnisse von Baku noch einmal an: Ein Zitat vom designierten Koordinator der Nationalmannschaft:

Es war der erste Wettkampf im Jahr und noch nicht der Saisonhöhepunkt“, betonte Siegfried. „Zudem gab es für die ersten 30 erstmals Punkte für die Olympiaqualifikation für die Spiele in Tokio 2020. Das haben fünf unserer sechs Starter geschafft.“

Hier mein Kommentar dazu nach dieser Aussage:

Ich behaupte, dass dies der wichtigste Weltcup des Jahres war, aus folgenden Gründen:

Ein Startplatz bei der Olympiade ist dem Gastgeberland Japan vorbehalten.

Silva und Fabian haben von möglichen 60 Punkten jeweils 8 Punkte im FIG Qualifikationsranking für die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2020 bekommen.

Die anderen deutschen Athleten stehen noch schlechter da.

Um die Teilnahme bei der Olympiade durch die Weltcups zu sichern, müssen unsere Athleten durchschnittlich pro Weltcup 16 Punkte ergattern, sprich den 15. Platz erturnen.

Die beiden o.g. brauchen 32 Punkte um ihr Soll bei 2 Weltcups durchschnittlich erfüllen zu können, sprich beide brauchen beim Weltcup in Minsk mindestens 24 Punkte.

Das entspricht dem 8. Platz (Finale) um die dazugehörigen 25 Punkte zu bekommen, dies scheint momentan (diplomatisch ausgedrückt) nicht sehr wahrscheinlich.

Das tragische daran ist, unsere Aktiven sind in der Tat besser, als sie und ihre Betreuer glauben.

Hier ein weiteres Zitat aus dem DTB Bericht

Trampoliner holen in Sibirien Punkte für Olympiaqualifikation“, vom 14.09.2019

„Wir müssen dort (4. WC in Valladolid) auf jeden Fall Gas geben“, erklärte Siegfried.“

Ist der 4. Weltcup in Valladolid „der Saisonhöhepunkt“ oder ist diesaufgehoben für die Weltmeisterschaften in dem die Finalisten, sprich die ersten 8 Frauen und Männer, einen Platz bei den Olympischen Spielen direkt qualifizieren können, reserviert?

Eine riskante Unternehmung.

Deswegen wundert mich, dass der DTB-Teammanager mit der Tatsache, dass die deutsche Mannschaft Punkte für Olympiaqualifikation geholt hat und dass vier von sieben DTB-Vertretern in den Top 30 zu finden waren, positiv berichten kann.

Dies ist Augenwischerei und tut nichts zur Sache, sprich, die Voraussetzungen für Deutschlands Teilnahme an den Olympischen Spielen beim Namen zu nennen und es zu schaffen.

Was bedeutet, „Wir müssen dort auf jeden Fall Gas geben“?

Aus reinem Interesse, welche Platzierungen gäbe es, wenn die Aktiven die vom DTB gewünschten Kriterien erfüllt hätten?

Frauen:

Baku100,50 Punktedas wäre der18. Platz und13 Punkte
Minsk100,50 Punktedas wäre der20. Platz und11 Punkte
Khabarovsk100,50 Punktedas wäre der26. Platz und5 Punkte

Das wären dann insgesamt 29 Punkte, immerhin mehr Punkte als alle zusammen in der Deutsche Frauen Mannschaft bis jetzt erzielen konnten. 29 Punkte entsprechen genau einem 16. Platz und somit hätte Deutschland nach der Hälfte der Weltcups einen Fuß in der Tür zur Teilnahme an den kommenden Olympischen Spielen in Japan.

Männer

Baku108,00 Punktedas wäre der25. Platz und6 Punkte
Minsk108,00 Punktedas wäre der23. Platz und8 Punkte
Khabarovsk108,00 Punktedas wäre der30. Platz und1 Punkt

Das wären dann insgesamt 15 Punkte, immerhin mehr Punkte als 75% der Männer Mannschaft bis jetzt erreichte und Matthias, der mit den meisten Punkten, hat die 15 Punkte Marke nur mit einem Punkt (16) verbessern können.

Ich bin gespannt auf den 4. und entscheidenden Weltcup in Valladolid.

Hier wird unter Umständen entschieden, wer sich noch ernsthaft qualifizieren kann und wer zu den Weltcups 2020 weiterhin als Turn Tourist auf Kosten des Steuerzahlers mitfährt.

Mit sportlichen Grüßen

Euer Podcaster und Blogger David Pittaway

Als Sportbegeisteter, Trampolin Enthusiast und immer für unsere Sportart mit dem Herzen dabei hat Dave sehr viel in der Vergangenheit erreicht.
Jetzt ist es Zeit einiges an Wissen an die nächsten Generationen weiterzugeben.

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