Teil 2
Qualifikationskriterien, Training und Belastungssteuerung – gibt es eine nachvollziehbare Gesamtstrategie?
David Charles Pittaway · DSINA
Ergebnisstand 17. Oktober 2026 · Redaktioneller Stand 14. Oktober 2026
Teil 1 „Drei WM-Qualifikationen und der internationale Vergleich“ untersucht, wie häufig die deutsche WM-Mindestleistung erreicht wurde und wie sie zum internationalen Finalniveau steht. Der Befund verlangt eine weitergehende Analyse: Welche Vorbereitung soll die festgestellten Lücken schließen, und wie werden gesundheitliche Verfügbarkeit, Übungsqualität und Wiederholbarkeit gemeinsam entwickelt? [26]
Verletzungen, Erkrankungen und lange Aufbauphasen beeinflussen nach den DTB-Berichten wiederholt die Wettkampfplanung. Am 7. Oktober nominierte der Verband Matthias Schuldt, Lars Garmann und Fabian Vogel für die WM. Cheftrainerin Katarina Prokesova nannte Verletzungen und die daraus folgende Belastungssteuerung als einen Teil der Gründe für das kleine Aufgebot. [12]
Dieser zweite Beitrag verbindet die Leistungsbefunde mit den öffentlichen Erklärungen und den eigenen Vorgaben des DTB. Er fragt, welche Entscheidungen aus den verfügbaren Informationen folgten und wie deren Wirkung überprüft wird. Eine niedrige Normquote erklärt noch keine Verletzungsursache. Sie zeigt jedoch, welche sportlichen Anforderungen die Vorbereitung im beobachteten Wettkampfbestand bislang nur begrenzt erfüllt hat.
Das Thema beginnt vor 2026
Bereits im Juni 2024 berichtete der DTB über Möllers häufige Erkrankungen und eingeschränktes Training sowie Eislöffels verletzungsbedingten DM-Abbruch. Im Juli 2025 fehlten Eislöffel, Möller und Garmann nach Verletzungen. Im September waren die beiden Turnerinnen für Cottbus weiterhin nicht verfügbar; Lauxtermann befand sich nach Krankheitsfolgen im Aufbau. Garmanns WAGC-Finaleinzug im November zeigte zugleich einen erfolgreichen Wiedereinstieg. [1–4]
Diese Beispiele begründen eine Prüfung über mehrere Jahre. Sie bilden keine vollständige Gesundheitsstatistik und belegen keine gegenüber anderen Nationen erhöhte Verletzungsrate. Entscheidend ist zunächst, wie bekannte Verletzungen und Einschränkungen in Trainingsplanung und Leistungsprognosen eingingen.
Was der DTB im Saisonverlauf 2026 berichtete
Die Auswahl betrifft überwiegend den Seniorenbereich. Sie unterscheidet gesundheitliche Einschränkungen und Leistungsprobleme ohne benannte medizinische Ursache. Die Daten bezeichnen die Veröffentlichungen beziehungsweise die angezeigten Fassungen. Die Quellen am Ende ermöglichen den direkten Abgleich.
| DTB-Bericht | Öffentlich beschriebener Sachverhalt |
|---|---|
| 13. März | Alkmaar: Lauxtermann fehlt krankheitsbedingt; Rösler verzichtet nach Verletzung. Eislöffel zieht nach einem Sturz weitere Startzusagen zurück. Vogel hat Schlafprobleme nach einem USA-Aufenthalt, Schuldt kommt aus einem Bundeswehrlehrgang. [5] |
| 6.–12. April | EM: Verletzungen und Lauxtermanns Infekt beeinflussen die Besetzung. Trotz als sehr gut beschriebener Vorbereitung bemängelt Prokesova die Stabilität. Röslers Rang 15 wird im Kontext ihrer Verletzungspause positiv bewertet. Vogel/Schuldt gewinnen Synchron-Silber. [6, 7, 19, 20] |
| 25. und 29. Juni | Arosa: Rösler soll nach Verletzung mit angepassten Übungen ihren Leistungsstand prüfen. Der Rückblick nennt fehlende Stabilität sowie Defizite in Haltung und Höhe. Im Elitebereich bleiben Halbfinal- und Finalteilnahmen aus. [18, 21] |
| 2. und 5. Juli | Coimbra: Garmanns Aufbau nach Verletzung sowie die Rückkehr von Eislöffel/Möller werden angekündigt. Stabilität ist ein ausdrückliches Ziel. Das Frauenduo erreicht das Synchronfinale, macht dort jedoch einen Fehler. [8, 9] |
| 23. Juli | DM: Schuldt scheidet laut DTB verletzungsbedingt im Vorkampf aus. Eislöffel gewinnt nach langer Verletzungspause den nationalen Titel. [10] |
| 10. September und 1. Oktober | Cottbus wird als WM-Härtetest angekündigt; bei den Frauen nennt der DTB insbesondere Rösler, Eislöffel und Möller. Die Ankündigung für Riccione betont die internationale Standortbestimmung. Eine WM-Nominierung folgt daraus noch nicht. [22, 23] |
| 4. Oktober | Riccione: Schuldt erreicht Rang neun. Garmanns Rang 30 ohne Halbfinale wird im Zusammenhang mit seiner Verletzungspause positiv bewertet. Bei den Frauen beklagt Prokesova den Leistungsrückstand. [11] |
| 7. und 8. Oktober | Drei Männer werden für die WM nominiert. Vogel soll nach Verletzung über einen begrenzten Einsatz in Cottbus für die WM aufgebaut werden. Lauxtermanns Weltcupstart wird als Wiedereinstieg vor weiterem Aufbau beschrieben. [12, 13] |
Mehrere Meldungen über dieselbe Person sind nicht automatisch mehrere Verletzungen. Umgekehrt belegt eine abgebrochene Übung ohne weitere Angaben keine medizinische Ursache. Die Rückkehrberichte und Ergebnisdaten müssen personengenau und zeitlich zugeordnet werden.
Was Teil 1 zur Prüfung der Vorbereitung beiträgt
Teil 1 betrachtet einen festen Kreis von zwölf Athletinnen und Athleten in drei nationalen Terminen und vier ausgewählten Weltcups, mit Ergebnissen bis einschließlich 4. Oktober. Der Kreis ist keine bestätigte vollständige WM-Bewerberliste. Gezählt werden bewertete freiwillige Einzelküren einschließlich Folgerunden; Pflichtübungen und Nichtstarts bleiben außerhalb der Normquote. [26]
Vergleichsbereich Küren Normküren Normquote National 65 4 6,2 % Vier Weltcups 47 8 17,0 % Zusammen 112 12 10,7 %
Die 100 Nicht-Normen sind weder 100 Übungsabbrüche noch 100 gesundheitlich verursachte Fehlleistungen. Auch eine vollständige Übung unter der Punktgrenze oder mit zu geringer Schwierigkeit zählt dazu. Die Quote beschreibt diesen Ergebnisbestand; sie ist keine Verletzungsrate und keine Wahrscheinlichkeit für ein bestimmtes WM-Ergebnis.
Vollständige Übungen können sportlich unzureichend bleiben
In Potsdam wurden neun der elf gezählten Küren vollständig beendet, aber keine erfüllte die vollständige WM-Norm. Damit lässt sich das dortige Defizit überwiegend nicht mit Abbrüchen erklären. In Riccione turnte Garmann beide Übungen vollständig; 58,340 und 57,350 Punkte lagen dennoch unter der Punktnorm. Diese Befunde verlangen eine Untersuchung der Leistungshöhe zusätzlich zur Stabilität. [26]
Für die Ursachenprüfung ergeben sich zwei getrennte Fragen: Was begrenzt das Niveau auch bei vollständigen Übungen? Und was verhindert, dass das vorhandene Niveau unter Wettkampfbedingungen zuverlässig wiederholt wird? Ob gesundheitliche Einschränkungen dazu beigetragen haben, muss jeweils anhand des tatsächlichen Verlaufs geprüft werden.
Die internationale Aufgabe bleibt anspruchsvoller
In den vier ausgewerteten Weltcups lag die mittlere Finaleinzugslinie laut Teil 1 bei 55,040 Punkten für Frauen und 60,293 für Männer. Das waren 2,040 beziehungsweise 1,793 Punkte über den DTB-Mindestpunktzahlen von 53,000 und 58,500. Gemeint ist der Mittelwert der niedrigsten Q2-Wertungen der tatsächlichen Finalqualifizierten nach Nationenbegrenzung. Es sind keine vorausgesagten WM-Grenzen. [26]
Ein gelungener Wiedereinstieg, eine erfüllte Mindestnorm und eine international konkurrenzfähige Finalleistung kennzeichnen unterschiedliche Entwicklungsstände. Die Saisonplanung muss erkennen lassen, wie der Weg zwischen ihnen aufgebaut wird und welche Nachweise einen weiteren Schritt rechtfertigen.
Wie die Kriterien den Trainingsprozess steuern sollen
Die WM-Kriterien verbinden die Auswahl mit Q2 und Finalleistungen im Einzel sowie mit Finals im Team und Synchron. Das reguläre Ranking verwendet die zwei besten normgerechten Küren. Der Schwierigkeitsbonus greift nur, wenn Mindestpunktzahl und Mindestschwierigkeit bereits erreicht wurden. Weitere Nominierungswege und Ausnahmen sind vorgesehen. [24, S. 2–4]
Teil 1 zeigt unterschiedliche Formen des Zweifachnachweises: Eislöffel und Garmann erreichen jeweils zwei Normen aus zwölf gezählten Küren, Schuldt sechs aus elf. Unterschiedliche Startgelegenheiten und kleine Fallzahlen begrenzen einen direkten Quotenvergleich. Für die Prognose müssen deshalb auch Wettkampfniveau, Aktualität und die Bestätigung in Folgerunden berücksichtigt werden. [26]
Deshalb sollten Normerfüllung, Anteil vollständiger Übungen, Ausführungsqualität und gesundheitliche Verfügbarkeit gemeinsam beurteilt werden. Nichtstarts müssen dabei gesondert ausgewiesen werden. Sie als misslungene Küren zu zählen, würde sportliche Erfolgsquoten verfälschen; sie aus der Verfügbarkeitsbilanz wegzulassen, würde die Einsatzplanung beschönigen.
Der DTB verlangt bereits fortlaufende Dokumentation
Die Kriterien verpflichten zur Trainingsdokumentation. Ab 1. September müssen angemeldete Athletinnen und Athleten wöchentlich Trainingsdaten mit Video an die Cheftrainerin übermitteln; für den Perspektivkader gilt die Dokumentationspflicht ganzjährig. Für einen nicht möglichen Qualifikationsstart wird ein sportärztliches Attest verlangt. [24, S. 2]
Damit ist die Nachfrage nach den Erkenntnissen aus dieser Beobachtung konkret begründet. Welche Veränderungen der Stabilität und Belastbarkeit waren vor den Auswahlentscheidungen erkennbar? Welche Trainingsmaßnahmen folgten daraus? Aus der Dokumentationspflicht allein lässt sich nicht ablesen, ob alle Unterlagen vollständig vorlagen und wie sie ausgewertet wurden.
Anreize und Gesundheitsentscheidungen zusammen prüfen
Aus DSINA-Sicht gehört auch die Wirkung des Schwierigkeitsbonus in diese Untersuchung. Fördert die Auswahlpraxis eine Übungsentwicklung, bei der zusätzliche Schwierigkeit technisch beherrscht und wiederholbar bleibt? Oder entstehen Anreize, Anforderungen früher zu steigern, als es der individuelle Aufbau rechtfertigt? Die zweite Möglichkeit ist eine zu prüfende Hypothese, kein belegter Ablauf bei bestimmten Athleten.
Die Kombination aus Qualifikation und Gesundheitsbetreuung muss begründete Anpassungen ermöglichen. Ein Verzicht auf einen Start kann fachlich richtig sein. Für eine spätere Auswahlentscheidung bleibt zu erklären, welche aktuelle Leistung für welche Wettkampfaufgabe zu erwarten ist und wie belastbar diese Prognose trotz einer unterbrochenen Vorbereitung ist.
Training und Belastungssteuerung gehören in die Prüfung
Für den DTB existiert eine veröffentlichte Rahmentrainingskonzeption, aktualisiert im Mai 2023. Sie behandelt den langfristigen Leistungsaufbau und bezeichnet Belastungssteuerung als zentrales Element. Im Aufbau- und Anschlusstraining verknüpft sie zunehmende Schwierigkeit mit körperlicher und psychischer Belastung und der Notwendigkeit von Regeneration. Hinzu kommen Periodisierung, wissenschaftliche Unterstützung und sportmedizinische Betreuung. [25, S. 16–18, 38–39]
Damit steht ein verbandseigener Maßstab zur Verfügung. Die entscheidende Frage lautet, wie diese Grundsätze in den konkreten Saisonplänen umgesetzt und kontrolliert werden. Die Konzeption ersetzt weder den individuellen Trainingsplan noch den Nachweis seiner Wirksamkeit im Jahr 2026.
Die sportwissenschaftliche Grundlage
Die IOC-Konsenspapiere zu Belastung und Gesundheit beschreiben unpassende Belastungssteuerung als relevanten Risikofaktor. Berücksichtigt werden unter anderem Trainings- und Wettkampfbelastung, schnelle Veränderungen, Reisen und psychische Beanspruchung. Die Zusammenhänge sind mehrschichtig. Daraus lässt sich kein einzelner deutscher Verletzungsfall erklären. [14, 15]
Für das Trampolinturnen ergeben sich daraus konkrete Untersuchungsfragen: Passen Schwierigkeit, Wiederholungszahl und Übungsdichte zur aktuellen technischen Beherrschung und körperlichen Belastbarkeit? Wie werden Landekontrolle und Ermüdung beobachtet? Welche Signale führen dazu, eine Einheit anzupassen oder zu beenden? Und wie verändert eine Trainingsunterbrechung den folgenden Belastungsaufbau?
Eine größere Zahl vollständiger Übungen kann die Wettkampfvorbereitung unterstützen. Ob sie für eine bestimmte Person zum richtigen Zeitpunkt eingesetzt wird, hängt jedoch von deren Voraussetzungen ab. Nach Alkmaar kündigte Prokesova mehr ganze Übungen bis zur EM an; derselbe Bericht beschreibt gesundheitliche Einschränkungen sowie Schlafprobleme und berufliche Vorbelastung. [5]
Hier sollte die Auswertung ansetzen: Welche unterschiedlichen Programme erhielten gesunde, gerade genesene und in der Vorbereitung eingeschränkte Athleten? Welche Fortschritte zeigten sich anschließend? Der Termin einer Meisterschaft schafft für sich noch keine ausreichende Belastbarkeit.
Erkrankungen und Verletzungen getrennt erfassen
Eine Erkrankung ist kein automatischer Nachweis von Übertraining. Zur Prüfung gehören auch Infektionsgeschehen, Erholung und Belastungen außerhalb des Trainings. Verletzungen können akut entstehen oder sich allmählich entwickeln; wiederholte Berichte können einen fortbestehenden Zustand beschreiben. Diese Unterschiede müssen erhalten bleiben. [15, 17]
Ein untersuchungswürdiger Zusammenhang besteht in beide Richtungen: Gesundheitliche Probleme können den Aufbau von Wettkampfstabilität unterbrechen. Unpassende Vorbereitung oder Belastung könnten ihrerseits zu Problemen beitragen. Die Prüfung muss zeigen, welche Faktoren im jeweiligen Fall tatsächlich eine Rolle spielen und welche der Verband beeinflussen kann.
Erwartungen und Ergebnisse nach denselben Maßstäben bewerten
Der Vergleich von Ankündigung und Rückblick ist für die Führungsanalyse besonders aufschlussreich. Für jeden Einsatz sollten das vorher formulierte Ziel, der bekannte Gesundheits- und Trainingsstand, die gezeigte Leistung und die anschließende Entscheidung zusammen betrachtet werden. So lässt sich prüfen, ob Erwartungen vorab realistisch waren und ob erkannte Probleme zu Veränderungen führten.
Stabilität bleibt über mehrere Stationen ein Thema
Nach Alkmaar stand das vollständige Durchturnen im Mittelpunkt der weiteren Vorbereitung. Am 9. April bezeichnete Prokesova die EM-Vorbereitung als sehr gut, bemängelte aber die Stabilität. Am 11. April blieb diese Kritik bestehen. Im Juni benannte der Rückblick auf Arosa erneut fehlende Stabilität sowie Defizite in Haltung und Höhe. [5, 19, 7, 21]
Diese Abfolge zeigt, dass das Problem auf Mannschaftsebene wiederholt auftrat. Sie belegt keine unveränderte Entwicklung jedes Einzelnen, denn Besetzungen und Aufgaben unterscheiden sich. Die Führung sollte aber erklären, welche Maßnahmen zwischen diesen Stationen umgesetzt wurden und woran ihre Wirkung erkennbar war.
Fortschritte gehören in dieselbe Bilanz. Eislöffels DM-Titel und das Weltcup-Synchronfinale von Eislöffel/Möller zeigen erfolgreiche Schritte nach Verletzungen. Schuldt bestätigte in Riccione drei vollständige Normküren. Sein Q2-Wert von 60,030 lag nur 0,350 Punkte unter seinem besten Q1-Wert. Teil 1 zeigt hier eine Verbesserung der Wiederholbarkeit; das Einzelfinale blieb dennoch aus. [9–11, 26]
Wiedereinstieg und WM-Einsatzfähigkeit unterscheiden
Der Berner Konsens zur Rückkehr nach Verletzung unterscheidet die Wiederaufnahme sportlicher Beteiligung, die Rückkehr in den Sport und die Rückkehr zum angestrebten Leistungsniveau. Ein erster Wettkampf kann bereits ein sinnvoller Fortschritt sein, bevor das frühere Leistungsvermögen wieder erreicht ist. [16]
Für Cottbus begründet der DTB unterschiedliche Wege: Vogel soll über einen begrenzten Einsatz für die WM aufgebaut werden; Lauxtermann erhält einen internationalen Start vor weiterem Aufbau. Diese Unterscheidung ist als Planungsansatz nachvollziehbar aber verwirrend. Offen bleibt, welche belastbaren Nachweise die verschiedenen Prognosen tragen. [13]
Auch die fehlende Frauenmannschaft bei der WM darf nicht pauschal als verletzungsbedingter Rückzug dargestellt werden. Eislöffel wird als einzige Normerfüllerin wegen erwarteter Medaillenchancen bei den WAGC eingesetzt. Für jede andere Nichtnominierung liefert die Mitteilung keine individuelle medizinische Erklärung. Die Gründe müssen deshalb voneinander getrennt bleiben. [12]
Die Gesamtstrategie wäre daran erkennbar, dass Rückkehrziele, Auswahlkriterien und Platzierungsziele vor dem Start zusammenpassen. Bei ihrer Überprüfung zählen tatsächlich gezeigte Leistungen. Ein unter idealen Bedingungen denkbares Ergebnis bleibt eine Prognose, deren Grundlage erklärt werden muss.
Welche Konsequenzen die sportliche Führung erklären sollte
Meine Bewertung: Die dokumentierten Einschränkungen und die wiederholte Kritik an der Stabilität rechtfertigen eine systematische Prüfung der Trainings- und Betreuungsbedingungen. Die WM-Kriterien ordnen die Nominierung dem Lenkungsstab zu und nennen Cheftrainerin sowie Sportdirektor als vorschlagende Stellen. [24, S. 4] Mit dieser Verantwortung verbindet sich die Aufgabe, die Entscheidungsgrundlagen und die daraus gezogenen Konsequenzen nachvollziehbar zu machen.
Cheftrainerin Katarina Prokesova, die beteiligten Heimtrainer und die medizinische Betreuung müssen dafür ihre Erkenntnisse zusammenführen. Sportdirektion und Lenkungsstab müssen prüfen, ob die Vorbereitung den eigenen Zielen entspricht. Die Verantwortung für dieses Verfahren lässt sich benennen, ohne einzelnen Personen unbelegt die Verursachung konkreter Verletzungen zuzuschreiben.
Für DSINA sollte die Auswertung folgende Fragen beantworten:
- Wie viele Tage konnten die Athletinnen und Athleten vollständig, eingeschränkt oder gar nicht trainieren, und welche geplanten Wettkampfeinsätze entfielen?
- Welche gesundheitlichen Probleme waren neu, welche bestanden fort und welche traten erneut auf? Entstanden sie im Training, im Wettkampf oder außerhalb des Sports?
- Was zeigten Trainingsdaten, Videos und Wettkampfergebnisse zur Entwicklung von Belastbarkeit, Übungsqualität und Wiederholbarkeit? Welche Änderungen wurden daraus abgeleitet?
- Welche medizinischen und sportlichen Voraussetzungen galten für die Rückkehr und die jeweilige Auswahlentscheidung? Wie wurden Unsicherheiten der Leistungsprognose berücksichtigt?
- Wer überprüft die Umsetzung der beschlossenen Maßnahmen, bis wann und anhand welcher Ergebnisse? Wie fließen die Erkenntnisse in die folgende Saison ein?
Eine methodisch belastbare Gesundheitsbilanz unterscheidet Häufigkeit, Dauer und Folgen der Probleme und berücksichtigt die tatsächliche Belastung. Der IOC-Konsens zur Erfassung von Verletzungen und Erkrankungen bietet hierfür einen Rahmen. Ein Vergleich zwischen Jahren oder Stützpunkten benötigt außerdem vergleichbare Gruppen; die Zahl der Presseerwähnungen ist dafür ungeeignet. [17]
Öffentlich erforderlich sind nachvollziehbare Verfahren und zusammengefasste Ergebnisse. Persönliche Diagnosen oder vollständige Krankenakten sind dafür nicht nötig. Entscheidend ist, ob der DTB zeigen kann, was er aus den Einschränkungen gelernt und im Trainingsalltag verändert hat.
Teil 1 belegt Lücken bei Mindestleistung, Wiederholbarkeit und internationaler Finalfähigkeit. Die dokumentierten Ausfälle erweitern den Prüfauftrag auf die gesundheitliche Verfügbarkeit. Für DSINA muss die sportliche Führung erklären, wie sie diese Anforderungen gemeinsam bearbeitet und welche Wirkung ihre Maßnahmen zeigen. Erst dieser Zusammenhang macht eine Gesamtstrategie nachvollziehbar.
Die anschließende Nominierungsanalyse prüft die Auswahl der drei Männer anhand ihrer Leistungen und der jeweils einschlägigen Kriterien. Spätere Wettkämpfe werden als neue Nachweise eingeordnet, ohne frühere Entscheidungen rückwirkend damit zu begründen.
Quellen und Belege
- DTB · 10.06.2024 · Gold für Rösler und Vogel
- DTB · 30.07.2025 · Titelverteidiger, Comebacks und neue Favoriten
- DTB · 16.09.2025 · Vorfreude auf den Heim-Weltcup
- DTB · 14.11.2025 · Vier Finalplätze zum WAGC-Auftakt
- DTB · 13.03.2026 · Schuldt turnt beim Weltcup ins Halbfinale
- DTB · 06.04.2026 · aktualisiert · Update zur Nominierung für Trampolin-EM
- DTB · 11.04.2026 · Trampolinteams verpassen Medaillenränge
- DTB · 02.07.2026 · Weltcup im Trampolinturnen in Coimbra
- DTB · 05.07.2026 · Junge Synchron-Duos im Weltcup-Finale
- DTB · 23.07.2026 · Eislöffel und Thomson gewinnen Deutsche Meisterschaft
- DTB · 04.10.2026 · Matthias Schuldt überzeugt auf Platz neun
- DTB · 07.10.2026 · Trio für Trampolin-WM nominiert
- DTB · 08.10.2026 · WM-Generalprobe in Cottbus
- Soligard et al. · 2016 · IOC-Konsens zu Belastung und Verletzungsrisiko
- Schwellnus et al. · 2016 · IOC-Konsens zu Belastung und Erkrankungsrisiko
- Ardern et al. · 2016 · Berner Konsens zur Rückkehr in den Sport
- Bahr et al. · 2020 · IOC-Konsens zur Erfassung von Verletzungen und Erkrankungen
- DTB · 25.06.2026 · Junge Besetzung beim Nissen Cup
- DTB · 09.04.2026 · Beide Trampolteams im Endkampf
- DTB · 12.04.2026 · EM-Silber für Synchronpaar Vogel/Schuldt
- DTB · 29.06.2026 · Trampoliner sammeln in Arosa klare Erkenntnisse
- DTB · 10.09.2026 · Trampolin-Weltcup in Cottbus als WM-Härtetest
- DTB · 01.10.2026 · Trampolin-Weltcup in Riccione
- DTB · 22.12.2025 · Nominierungskriterien WM 2026 · insbesondere S. 2–4
- DTB · aktualisierte Version Mai 2023 · Rahmentrainingskonzeption Trampolinturnen · insbesondere S. 16–18 und 38–39
- David Charles Pittaway / DSINA · Drei WM-Qualifikationen und der internationale Vergleich · Teil 1 · Mindestnormen Stabilität und Finalfähigkeit. Ergebnisbestand bis 4. Oktober 2026; insbesondere Potsdam, Riccione, Gesamtbilanz und internationale Finaleinzugslinien. Die Einzelquellen und Zählregeln sind dort dokumentiert.
Redaktioneller Hinweis
Der DTB kann die in diesem Beitrag dargestellten Tatsachen und Bewertungen jederzeit durch eigene Daten oder eine sportfachliche Stellungnahme ergänzen, korrigieren oder ihnen widersprechen. DSINA wird eine eingehende Stellungnahme sachlich prüfen und im Zusammenhang mit diesem Beitrag angemessen berücksichtigen.

